Eva, was hast Du getan...?

Diskutieren Sie gerne? Also ich schon! Und Eva tat es auch gerne. Ihr berühmtester Diskussionspartner trat in Form einer Schlange auf. Das ist heute eher ungewöhnlich, hat sie aber damals - im Paradies - offensichtlich nicht weiter irritiert. Das Gespräch dauerte nicht lange, die Folgen dagegen sind bis heute spürbar. Im Wesentlichen ist nur eine zentrale Frage übermittelt, die es jedoch in sich hatte: „sollte Gott gesagt haben?" Zuerst hielt Eva sich ganz wacker. Indessen: der Same war gesät und der Zweifel wuchs: „will mir Gott etwas vorenthalten?"

Spätestens hier hätte doch Adam eingreifen sollen. Aber er hielt sich lieber dezent im Hintergrund, überliess das Diskutieren seiner Frau und biss dann in denselben sauren Apfel wie sie. Hinterher nützte alles Jammern nichts mehr, zu spät.
Womit festzustellen wäre: es ist nicht egal, mit wem ich mich auf ein Gespräch einlasse. Manchmal ist es besser, als Feigling oder sturer Dummkopf zu gelten, als mit jemandem zu argumentieren, dem ich intellektuell unterlegen bin. Gewisse Dinge sind ausserdem nicht verhandelbar!

Übrigens: haben Sie sich auch schon mal Gedanken darüber gemacht, was geschehen wäre, wenn Adam nicht angebissen hätte? Wäre dann nur Eva aus dem Garten Eden rausgeflogen? Wäre es für Adam eine Option gewesen, allein im Paradies zu bleiben? Schliesslich waren sie ja verliebt. Eva war ein Teil von ihm, die „bessere Hälfte", wie wir heute sagen. Wäre der Garten Eden ohne Eva überhaupt noch das Paradies gewesen? Hatte er eine echte Alternative dazu, nachdem Eva von der Frucht gegessen hatte, selber auch noch abzubeissen? Gott hätte eine neue Eva erschaffen können, gewiss, aber sicher hätte Adam auf dem Original beharrt. Also: lieber früher darauf achten, an welchen Diskussionsrunden man teilnimmt.
Übrigens: ich halte es mit Emanuel Kant, der meinte, dass der Sündenfall irgendwie zu Gottes Plan gehört hat. Ich glaube nicht an einen Gott, der total überrascht wird und dann krampfhaft nach einer Lösung suchen muss. Eines Tages werden wir es wissen.


Aus der Seebrise - Thomas Wieder