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Geschrieben von: Thomas Wieder
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Mittwoch, den 24. März 2010 um 19:55 Uhr |
Es ist gar nicht so einfach, einem Ruf gerecht zu werden. Ich wurde berüchtigt für meinen angeblich furztrockenen Humor. Irgendwie gefalle ich mir auch in der Rolle des Spassvogels und wenn sich nach einer Bemerkung von mir die halbe Gemeinde lachend am Boden wälzt, dann tut mir das schon gut. Allerdings kann das auch recht belastend sein, weil die andere Hälfte, die nicht am Boden liegt, entweder verärgert ist oder meinen unglaublichen Gag gar nicht verstanden hat. Oder zum Beispiel jetzt.
In der Redaktionssitzung war dieses Editorial so schnell wie selten etwas vergeben - natürlich an mich. Wenn einer hier was zu sagen hat, dann wohl Thomas. Hm - und jetzt soll ich plötzlich witzig sein. Echt, gar nicht so einfach! Beruflich komme ich (bin Eisenbahner) manchmal dazu, eine Schulung durchzuführen. Die KandidatInnen bestehen meist aus angehenden LokomtivführerInnen. Gegen Ende ihrer Ausbildungszeit wissen sie, dass die Eisenbahn ein überkontrollierter, strengstens reglementierter Betrieb ist, in dem Humor grundsätzlich als Gefahr eingestuft wird. Dazu kommt noch, dass ich aufgrund meiner äusseren Erscheinung den meisten Menschen zunächst Angst einjage und damit dieses Klischee noch bestätige. Wenn ich nun etwas zur Klimaerwärmung beitragen möchte und meine üblichen (lustigen?) Sprüche ins Programm einbaue, kann es sein, dass ich mich plötzlich einer Reihe bleicher, erstarrter Gesichter gegenüber sehe. Einig haben Tränen in den Augen, weil gerade ihr frisch entwickelter Berufsethos erschüttert wurde. Dann muss ich schnell zusehen, dass mein Ruf als seriöser Vorgesetzter wieder aufgebaut wird. Das ist wie mit einem schönen, warmen Frühlingstag: alle lieben ihn, aber mitten im Januar wirkt er irgendwie beunruhigend. Weitere humorvolle Bemerkungen werden ab sofort langatmig angekündigt: "Also herhören, der nächste Satz ist lustig gemeint und nicht voll ernst zu nehmen". Solche Ankündigungen werden dann zur reinen Gähnmanipulation - der ganze Witz ist im Eimer. Trotzdem versuche ich meinen Humor zu behalten. In unserer Gesellschaft wird unglaublich viel gelacht, aber Humor ist trotzdem Mangelware. Denn seine Hauptaufgabe ist schliesslich, einem ein gesundes Lachen über sich selbst zu ermöglichen. Sich selbst nicht so tierisch ernst nehmen: das tut gut und kann unglaublich befreiend sein. Humor ist eine wertvolle Gabe Gottes!
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Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 24. März 2010 um 19:57 Uhr |