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Geschrieben von: Thomas Wieder
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Montag, den 05. Dezember 2011 um 21:09 Uhr |
Wir verlassen den funkelnden Weihnachtsmarkt am Hauptbahnhof und lassen uns von einem völlig überfüllten Tram zur Langstasse befördern. Offizier Walter Sommer begrüsst uns an der Ecke Luisenstrasse.
Er führt uns zu seinem Arbeitsplatz, dem „Open Heart“ Zentrum, einem unauffälligen Eingang in einer langen, dunklen Häuserreihe, über dem uns der Schriftzug der Heilsarmee entgegen-leuchtet. Drinnen sind bereits eine Handvoll Mitarbeiter versammelt. Eine bunt gemischte Gruppe von ca. 12 Leuten, zum Teil selbst ehemalige Gäste des Open Heart. Die Heilsarmee ist für viele von ihnen zur Familie geworden. Im hinteren Teil des Saals stehen Kisten mit Lebensmitteln. Alles Waren, die sonst weggeworfen würden und hier noch dankbare Abnehmer finden. Walter beginnt gegen 19:00 mit einem Input, als sein Handy klingelt. Er gibt auf Englisch Auskunft und redet kurz darauf mit einem soeben eingetroffenen Ehepaar ungarisch. Pia Sommer, Walters Frau, spricht ein kurzes Gebet und liest Psalm 40 vor. Anschliessend legt sie den Text aus. In einer Gebetsgemeinschaft bereitet sich der Kreis auf den bevorstehenden Ansturm vor. Zwischendurch werden Köstlichkeiten aus umliegenden Bäckereinen gebracht. Walter verteilt verschiedene Aufgaben, während draussen in der Kälte eine wachsende Schar auf Einlass hofft. Punkt 20:00 Uhr wird die Türe geöffnet. Wie auf Kommando füllt sich der Saal. Innert fünf Minuten sind alle 48 Plätze besetzt. Das Durchschnittsalter der Gäste dürfte inklusive 4 Kindern bei etwa 45 Jahren liegen. Sie stammen aus Osteuropa, dem Kaukasus, der Schweiz oder dem arabischen Raum. Pia gibt jedem Gast die Hand. Wie viele Gäste und Mitarbeiter kommen ist ungewiss, hier müssen Sommers improvisieren können. In der Regel jedoch werden etliche Bedürftige auf das nächste Mal vertröstet, weil der Saal aus Feuerschutz – Gründen höchstens 60 Personen aufnehmen kann. Nachdem um 20:30 alle Gäste mit Tee und Gebäck versorgt sind, erfüllt Walters kräftige Stimme den Raum, worauf augenblicklich Ruhe einkehrt. Die Gäste werden mit geistlicher Nahrung versorgt, getreu dem Motto der Heilsarmee: Seife, Suppe, Seelenheil. Aus zeitlichen Gründen müssen wir die Gesellschaft leider mitten in Walters Predigt verlassen. Wir gehen mit völlig neuen Eindrücken der reichen Stadt Zürich nach Hause. Irgendwie würde es uns reizen, Heiligabend wieder zu kommen um eine ganz anderes Weihnachten zu erleben. Mitarbeiter wären noch gefragt. Ab Januar werden in der Luisenstrasse 23 noch einige Notschlafplätze eingerichtet. Dann ist rund um die Uhr Betrieb. Die Luisenstrasse 23 gehört nicht zu den offiziellen Vorzeigeorten Zürichs, die Menschen, die dort zu Gast sind, passen kaum zur prachtvollen Fassade der Bahnhofstrasse. Aber wir glauben, dass Jesus seinen Geburtstag gerne in diesem Kreis feiern würde.
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Zuletzt aktualisiert am Montag, den 05. Dezember 2011 um 21:21 Uhr |